Die Oliveninsel Lesbos, von den Griechen fast nur Mytilene genannt, ist nach Kreta und Euböa die drittgrößte Insel Griechenlands und wie ihre Nachbarinseln gebirgig und wasserreich.

Endlos sich hinziehende Olivenhaine, dichte Kiefernwälder, Sandstrände, einsame Klöster und gewachsene Dörfer sind die ersten Eindrücke, die sich einem bei einer Fahrt über die Insel einprägen. Eine geschichts- und mythenreiche Insel, Heimat der ersten Dichterin der Weltliteratur, Sappho, des Sängers Arion und des Musikers Terpandros, und bis in unsere Tage Nährboden für große Maler, Dichter und Romanciers.

Die Hauptstadt Mytilene, an der Stelle der antiken Stadt angelegt, erstreckt sich entlang der Küste, im Halbrund den mit Kiefern bestandenen Hügel hinaufkletternd, der von einer gewaltigen Burganlage gekrönt ist. Interessante Funde sind im Archäologischen Museum ausgestellt, wie z.B. der "Löwe von Gera" oder die Frauenfigur klassischen Stils.

Beachtenswert sind auch die Reste eines hellenistischen Theaters im Westteil der Stadt und eines römischen Aquädukts beim Dorf Moria (6 km von Mytilene), und sehenswert die beiden Museen in Varia (4 km von Mytilene): das eine mit Werken des berühmten naiven Malers Theophilos, der übrigens in diesem Dorf geboren wurde, und das andere mit Originalen der Moderne; beide verdanken ihre Existenz dem namhaften Pariser Kunstkritiker Teriade, der aus Lesbos stammte.

Zur Erholung kann man zum Baden ins Strandbad Tzamakia am Stadtrand von Mytilene  fahren. Eine Inseltour von Mytilene aus führt uns zunächst in nördlicher Richtung nach Pirgi Thermis mit seinen eigenartigen Wohntürmen und dann unweit von hier nach Loutra Thermis, einem wegen seiner Thermalquellen schon im Altertum sehr beliebten Kurort. Bei Ausgrabungen in dieser Gegend wurden Reste von insgesamt fünf übereinander liegenden Siedlungen freigelegt, von denen die älteste aus der frühen Bronzezeit stammte. Die nächste Station ist Mandamados (36 km von Mytilene) mit seiner verfallenen mittelalterlichen Burg. Die einheimischen Töpfer fertigen hier die nach wie vor begehrten porösen Tonkrüge, die "koumaria" an, in denen durch Verdunstung das Wasser im Sommer kühl gehalten wird.

Um den Süden der Insel kennenzulernen, kann man als erstes am Ostufer des Golfes von Gera mit den malerischen Ufersiedlungen hinunterfahren bis nach Loutra Geras, wo Reste einer antiken Anlage, wahrscheinlich eines Hera-Heiligtums erhalten sind, und dann weiter zu einer traumhaft schönen Badebucht beim Kloster Ermogenis an der Einfahrt zum Golf. Danach umfährt man den Golf in nördlicher Richtung und können uns im malerischen Dorf Skopelos an der Westküste des Golfs die St. Magdalenen-Kirche ansehen, in deren Katakomben die ersten Christen der Insel Zuflucht fanden. Auf der Weiterfahrt kommt man am Kieselstrand von Agios Isidoros vorbei und erreicht dann das schöne Kleinstädtchen Plomari, das vor allem auch wegen seines hochkarätigen Ouzo bekannt ist. Das wichtigste Dorf im Zentrum der Insel ist Agiassos am Hang des Olymp (967 m), das immitten mächtiger Kastanien und Platanen fast verschwindet. Ein ausgesprochen schönes Dorf mit seinen kopfsteingepflasterten Gassen und den verglasten Holzveranden voller blühender Blumen und Kräuterpflanzen, dessen großer Anziehungspunkt die Kirche der "Jungfrau mit dem Kind" ist; die wertvollen Weihgaben in der Kirche stammen von Pilgern, die wegen der wundertätigen Ikone der Muttergottes von überall hierher wallfahren.

Die Töpferwaren von Agiassos sind wegen ihrer Originalität und hohen Qualität bekannt und auch ein beliebtes Souvenir bei den Kirchweihen der Marien- und der Prophet-Elias-Kirche oder beim "vallia", dem Karneval. Wenn man von Agiassos in südwestlicher Richtung weiterfährt, erreicht man den herrlichen kilometerlangen Sandstrand von Vatera, während die Hauptstraße von Mitilini ins Inselinnere an den Golf von Kalloni führt, mit seinen wunderschönen Stränden und Uferlandschaften; wenn Sie in eine der einladenden Tavernen einkehren, probieren Sie unbedingt als Hors d'oeuvre die leckeren "Sardellen von Kalloni"!

An der Abzweigung in Richtung Dafia liegt das berühmte Kloster Moni Limonos mit seinen großartigen Freskenmalereien, dem ein Volkskunstmuseum, eine reichhaltige Bibliothek mit seltenen Handschriften sowie eine Herberge angeschlossen sind. Zurück auf der Hauptstraße fahren wir gen Norden nach Mithimna (auch "Molivos"), seit vielen Jahren sommerlicher Treffpunkt für Künstler aus aller Welt und wegen seiner eindrucksvollen gewachsenen Bausubstanz als Ganzes unter Dankmalsschutz gestellt. Lohnend ist ein Besuch im Archäologischen Museum, in der Städtischen Bibliothek und in der Pinakothek. Die Burganlage über der Stadt ist im Sommer Schauplatz künstlerischer, folkloristischer und anderer kultureller Veranstaltungen. Bademöglichkeiten gibt es nördlich von Molivos am Sandstrand von Eftalou, und weiter südlich am Strand von Petra. Sehenswert in Petra ist eine Privatsammlung mit Werken des naiven Malers Theophilos und das Wahrzeichen des Dorfes, das Marienkloster Glikofiloussa ("der süßküssenden Muttergottes") auf einem Felskegel, der über einhundertvierzehn in den Stein gehauene Stufen zu erklettern ist.

Über Kalloni fährt man an die Westküste nach Sigri und damit in das Reich der versteinerten Bäume. Wenn man auf der Rückfahrt rechts abbiegt, kommt man nach Eressos. Heimat der Dichterin Sappho, wo die Archäologen bemerkenswerte Anlagen freigelegt haben. Skala Eressou, 4 km von hier, ist für Einheimische wie Touristen wegen seines breiten Sandstrands sehr beliebt. Wenn man von Eressos zurückkommt und in Richtung Sigri abbiegt, sieht man bald auf dem Gipfel des Ordymnos das Ipsilou-Kloster liegen, das schon im Jahre 800 dort oben erbaut wurde.

Schiffsverbindung besteht nach Piräus, Thessaloniki und Kavala. Flugverbindungen nach Athen und Thessaloniki. Lesbos ist ein Ein- und Auslaufhafen, und so gibt es ein Hafenamt, Dienststellen der Zoll- und Gesundheitsbehörde und eine Jachtversorgungsstation.

Region:

Nördliche Ägäis

Fläche:

1.636 km²

Einwohner:

ca. 91.000

Hauptstadt:

Mytilene

Flughafen:

Mytilene International Airport „Odysseas Elytis“ (MJT), Mytilini, Lesbos